Gravel-Bike in klassisch: Empella Turbo CX

Passend zum Ende des vergangenen Jahres hat mich noch einmal der Teufel geritten. Ich habe spontan einen ziemlich verlebten Cyclocross-Klassiker gekauft. Ein Empella Turbo CX Rennrad aus Anfang der Achtziger Jahre.

Das Rad sah so erbärmlich aus, dass der Hermes-Bote seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen fest damit rechnete, dass er es wieder mitnehmen müsste. Doch der jämmerliche Zustand war einkalkuliert und so nahm meine Frau dem Armen das Stück Altmetall mit vielsagendem Blick ab.

Wenige Wochen später erstrahlt es zwar nicht in jungfräulichem Glanz, aber ein paar schöne Stunden auf losem Grund sind wieder drin damit, und das ganz ohne Sorge vor Lack-Abplatzern…

 

Empella Turbo CX Crosser (ca. 1981)

Die Marke Empella kommt aus den Niederlanden und ist vor allem in Cyclocross-Kreisen bis vor etwa zehn Jahren sehr bekannt und präsent gewesen.

Das Empella Turbo CX entstand Anfang der 1980er Jahre und gehörte zu den ersten Cyclocross-Modellen, die von Ad van Empel unter der Marke Empella gefertigt und vertrieben wurden.

Der Rahmen wurde speziell für den Cross-Einsatz gefertigt, wovon einige ziemlich exotische Rahmendetails zeugen. Als auffälligstes Merkmal hat er ein geteiltes Sitzrohr, das einen wirkungsvollen Schutz gegen bremsende Matsch-Ansammlungen zwischen Reifen  Rahmen bieten soll.

Empella Turbo CX Seblog.de
Neuinterpretation als Gravel-Bike mit klassischen Komponenten.

Die Zugverlegung ist konsequent auf den Einsatz von Lenkerend-Schalthebeln ausgerichtet und der Rahmen bietet keine Montagemöglichkeit für einen vorderen Umwerfer.

Durchdachte und für den Einsatzzweck optimierte Zugverlegung.

Das Empella Turbo CX gehörte seinerzeit schon zu den gefragten Rädern unter den Spezialisten und Empella Cross Räder wurden vor allem in den Neunziger Jahren auch von vielen Profis favorisiert.

Neuinterpretation als Gravel-Klassiker

Nun gehören Cross-Rennen weder zu dem, was ich mir heute noch antun würde noch jemals angetan hätte. Auch um die Kombination von Cantilever-Bremsen und Rennlenker habe ich immer gerne einen Bogen gemacht.

Aber die Andersartigkeit des Rahmens hat mich angesprochen und vielmehr als der Rahmen waren von dem völlig verbastelten und ungepflegten Rad auch nicht zu mehr zu gebrauchen.

Mein Plan sah deswegen vor, mir einen exotischen Gravel-Racer mit klassischem Touch aufzubauen. Mit 1×7 Gängen statt modernen 1×12, mit Cantileverbremsen (also doch!) statt Scheibe, und mit einem elegant schlanken Oberrohr statt einem, an dem die Knie sich reiben.  Und Einsatzmöglichkeiten habe ich für ein solches Rad genug.

Lenkerendschalthebel am Empella Turbo CX.
Nötige Rettungsmaßnahmen

Vor dem Aufbau stand jedoch die gründliche Begutachtung. Der Rahmen erwies sich als mitgenommen, aber ohne größere oder gar strukturelle Schäden. Er zeigt unzählige Abplatzer, Kratzer, Schleifspuren und auch die Kette hatte sich wohl mehrfach schon gefressen.

Empella Turbo CX Crosser
Erbärmlicher Zustand: Korrosion, Dreck und Kettenspuren

An eine Ausbesserung des roten Metallic-Lacks verschwendete ich wegen der vielen Fehlstellen und auch schon erkennbaren Korrosionsspuren keinen Gedanken. Hier wäre nur ein komplett neues Lackkleid in Frage gekommen, wogegen jedoch der Allgemein-Zustand des Rahmens sprach.

Ich beschränkte mich bei der Restauration deshalb auf erhaltende Maßnahmen, im wesentlichen Schleifarbeiten zur Korrosionsbeseitigung und Oberflächen-Glättung der Kettenspuren.

Empella Turbo CX seblog.de
Die schlimmste Stelle nach der Behandlung mit Schmirgelpapier.

Die derart bearbeiteten Stellen bekamen lediglich eine Klarlackversiegelung, so dass der Rahmen jede Verletzung offen zeigt. Die Mischung aus dem silber unterlegten, metallisch-roten Lackkleid und den Stellen mit blanken Metall gefällt mir sogar recht gut. Damit der Rahmen nicht noch weiter leidet, habe ich ihn insgesamt gut mit Wachs versiegelt.

„Das Ergebnis ist kein Rad für den Showroom, aber eines mit Charakter.“

Japanischer Komponenten-Mix

Komplettiert wurde der Rahmen mit überwiegend zeitgemäßen japanischen Mittelklasse-Komponenten, die mir optisch und technisch passend erschienen. Es kommt die versammelte japanische Hersteller-Bandbreite von Shimano über Suntour, Sugino, Sakae und Nitto zum Einsatz.

Modern sind lediglich der Brooks Cambium Sattel (hier leiste ich mir Leid-geprüft keine Kompromisse mehr), die Kette und die Reifen. Auch die Shimano XT-734 Cantilever-Bremsen sind etwas zu neu für den Rahmen, passen aber perfekt und verrichten ihre Arbeit zuverlässig.

Empella Gravel-Bike
Was der Aufbau in der Praxis taugt, wird sich im Ebersberger Forst erweisen.

 

Technische Daten:
  • Rahmen und Gabel: Stahlrahmen und -Gabel unbekannter Güte, RH 54 (c-t), geteiltes Sitzrohr
  • Farbe: rot-metallic
  • Antrieb: Sugino Maxy Kurbelset und Suntour Cyclone 7-fach Schaltung, nicht indexiert, vorne: 40 Zähne, hinten: 13-28, Connex-808 Kette
  • Bremsen: Shimano XT 734 Canilever-Bremsen
  • Cockpit: Nitto Technomic Vorbau (80mm) und Guidons Philippe Lenker (42cm a-a)
  • Sattel: Brooks C17 Cambium Carved auf Sakae Custom (26,8)
  • Laufräder: Shimano 600 Naben (6200) und Mavic MA2 Felgen mit 36 Speichen vorne und hinten
  • Reifen: Panaracer Pasela Drahtreifen 28x700c

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