Radlauf

Die ersten Tritte

Die meiste Zeit hat das Fahrrad eine gewichtige Nebenrolle in meinem Leben gespielt. Es gab Jahre, für die man das „Neben“ getrost streichen könnte, und welche, in denen es tatsächlich sehr nebensächlich war. Aber seit ich im relativ hohen Alter von 7 Jahren das Radfahren gelernt habe, empfinde ich eine große Zuneigung für dieses phantastische Gerät auf zwei Rädern. 

Mein erstes wirklich eigenes Rad hatte schon einen Rennlenker, ein silbernes 24“ Patria-Rennrad, das nach seinem Kauf mindestens zwei Jahre im Keller darauf wartete, endlich von mir gefahren zu werden, denn solange war es mir zu groß.

Die erste kleine Radreise damit war 13 Kilometer lang und bot schon viel von dem, was mich auch später am Radreisen fasziniert hat. Eine spannende Vorbereitung und Tourenplanung. Das unbeschreibliche Gefühl der Freiheit unterwegs und die wunderbare vom Stolz begleitete Müdigkeit danach.

Zuerst kamen die Radreisen

Von dem Geld, das ich zur Konfirmation bekommen hatte, kaufte ich mir mit 13 Jahren meine erste echte Rennmaschine, ein weißes Peugeot Aubisque, das mit einer Rahmenhöhe von 57cm leider wieder zu groß für mich war und sogar heute noch wäre.

Dennoch hatte ich jahrelang Spaß damit und es war auch der Untersatz meiner ersten einwöchigen Radreise, die mich im Alter von 16 Jahren zusammen mit meinem gleichaltrigen Cousin von Süddeutschland an die Nordsee führte. Der Beginn meiner Leidenschaft für diese Art des Reisens, die mich immer wieder eingeholt hat und noch einholt. Später habe ich sie  – für mich ganz besonders wertvoll – auch mit meiner Frau geteilt.

Die Zeit der Radrennen

Der Gedanke, sich mit dem Rennrad auch im Wettkampf zu messen, kam mir relativ spät. Nach einer Reihe absolvierter Radmarathons ließ ich mich von einem Freund, mit dem ich gerade zusammen den Ötztaler Radmarathon gemeistert hatte, dazu überreden an einem Mountainbike-Bergrennen teilzunehmen und bekam für meinen überraschenden dritten Platz in der Hobbyklasse einen tollen Pokal. Das war im Jahr 1994 und ich war schon 20 Jahre alt.

Im Jahr darauf löste ich voller Zuversicht erstmalig eine Rennlizenz und bestritt mein erstes Straßenrennen in der C-Klasse der Radamateure, ein Kriterium, das von meinem damaligen Radsportclub ausgerichtet wurde. Der Kurs war flüssig und ich kam wie durch ein Wunder sogar durch. Schon beim zweiten war ich jedoch im wahrsten Wortsinn in meinen ersten Massensturz verwickelt.

Es folgten sehr schöne Jahre, in denen mein Herz sowohl für den aktiven Radsport brannte als auch passiv als Fan für den professionellen. In den Neunzigern gab es wohl kaum einen Profi-Rennfahrer, zu dem ich nichts hätte sagen können. Selbst spielte ich lokal ein bisschen mit und gehörte zum damals überschaubaren Zirkel oberfränkischer Radamateure. Wir hatten viel Spaß miteinander und fühlten uns wohl auch ein wenig elitär.

Mit Blick auf meine Resultate kann ich sagen, dass ich weit mehr Leidenschaft für den Radsport hatte als Talent. Dennoch konnte ich mir zumindest zwei Bezirksmeisterschaften sichern, die auch die einzigen echten Radrennen blieben, die ich jemals als erster beenden konnte. Mein letztes Lizenzrennen fuhr ich im Jahre 2003.

Rennradklassiker und Genusstouren

Nach gut 10 Jahren Pause, in denen der Radsport tatsächlich nur eine Nebenrolle für mich spielte, die Begeisterung für das Fahrrad an sich aber nie erlosch, hat mich die Leidenschaft wieder mehr gepackt.

Wettkampfgedanken hege ich gesundheitsbedingt keine mehr, diese Zeit ist vorbei. Mittlerweile habe ich die ersten gemeinsamen Radtouren mit meinem sechsjährigen Sohn unternommen und freue mich mehr an seinen Fortschritten als an meinen.

Zusätzlich schraube ich mit Begeisterung an alten Rennrädern aus den 70er- und 80er-Jahren. Rennräder, die ich als Teenager bestaunt habe, kann ich mir heute gut leisten und versuche sie wieder in den Zustand alter Tage zu versetzen. Schon früher habe ich meine Räder am liebsten selbst zusammengebaut und zur Pflege zerlegt.

Auch die selbst absolvierten Radkilometer nehmen wieder zu, meine restaurierten Klassiker sollen und wollen alle gefahren werden, das erlege ich mir selbst auf, damit die Sammelleidenschaft nicht ausufert.

Perspektivisch zieht es mich zu den Randonneuren, eine offenbar unaufgeregte Szene von Radfanatikern, zu denen ich ganz gut passen könnte.

So stehen mir in den kommenden Jahren hoffentlich noch ein paar Radabenteuer ins Haus, wie L‘Eroica in Gaiole, die ich für den Oktober fest eingeplant habe.

Unterwegs auf der langen Meile hat es mir immer gefallen – und da gefällt es mir auch heute noch.